Banking-Glossar – Die wichtigsten Banking-Begriffe
Die Banking-Welt ist im Wandel: Digitalisierung, steigender Regulatorik und KI sind nur einige der Themen, die sie umtreiben. Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, die richtige Terminologie zu verstehen, um effektiv kommunizieren und strategische Entscheidungen treffen zu können. Unser Glossar wurde entwickelt, um Fachleuten, Neulingen und allen dazwischen ein umfassendes Verständnis der relevanten Banking-Begriffe zu vermitteln. Erweitern Sie Ihr Banking-Wissen und nutzen Sie dieses Glossar als Ihren Begleiter auf dem Weg zu erfolgreichen, zukunftsfähigen Prozessen.
A • B • C• D• E • F • G • H • I • J • K• L • M •N • O • P • Q • R • S• T • U •V • W • X • Y •Z
A
Augmented Intelligence
Augmented Intelligence ist ein Konzept zur Nutzung Künstlicher Intelligenz, bei dem die Zusammenarbeit zwischen der Technologie und dem Menschen in (Entscheidungs-)Prozessen im Fokus steht. Statt menschliche Expertise zu ersetzen, wird sie durch den Input der KI erweitert. Dabei trifft die KI keine autonomen Entscheidungen, die finale Entscheidungshoheit liegt immer beim Menschen, dem jedoch eine datenbasierte und situativ passende Entscheidungsgrundlage bereitgestellt wird. Die KI lernt durch eingebaute Feedbackschleifen kontinuierlich dazu und entwickelt sich so weiter.
Ein Einsatzbereich für Augmented Intelligence im Kreditgeschäft ist etwa die Risikobewertung, in deren Rahmen die KI große Mengen historischer und aktueller Daten analysieren und komplexe Muster erkennen könnte, um eine präzise Einschätzung des Kreditausfallrisikos zu erhalten.
Ausfallrisiko
Ein Ausfallrisiko, auch als Kreditrisiko bekannt, bezeichnet die Gefahr, dass ein Kreditnehmer seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann. Es ist eine zentrale Größe im Kreditrisikomanagement und wird von Banken und Sparkassen im Vorfeld einer Kreditvergabe bewertet.
In die Bewertung des Ausfallrisikos fließen die Bonität des Kreditnehmers, etwaige Sicherheiten (z.B. Immobilien oder Bürgschaften) und jeweilige Branchen- und Marktrisiken ein. Ein effektives Kreditrisikomanagement ist entscheidend, um das Ausfallrisiko zu kontrollieren und die finanzielle Stabilität des Kreditinstituts langfristig sicherzustellen.
C
Cockpit
Ein Cockpit ist eine digitale, oftmals nach individuellen oder Rollen-Bedürfnissen anpassbare Nutzeroberfläche, auf der alle relevanten Daten und Informationen aus verschiedenen Datenquellen zusammenfließen und übersichtlich dargestellt werden. Ziel der Nutzung von Cockpits ist es, Komplexität zu reduzieren und Nutzern eine integrierte, vernetzte und zentral verfügbare Datenbasis an die Hand zu geben, auf deren Grundlage sie ihren Arbeitsalltag organisieren können.
So könnte im Kontext des Firmenkundengeschäfts in Banken und Sparkassen je nach Rolle etwa die Dealpipeline im Vertrieb oder eine Übersicht über den Kreditstatus diverser Firmenkunden angezeigt werden, sodass Cockpits als zentrales Steuerungsinstrument für Firmenkundenvertrieb und Marktfolge dienen.
D
Dokumentenmanagement
Dokumentenmanagement bezeichnet grundsätzlich die Verwaltung von Dokumenten – sowohl papierbasierten als auch digitalen. Darunter fallen die Erfassung, Bearbeitung, Weiterleitung und Archivierung von Dokumenten.
In Banken, Sparkassen und anderen Unternehmen kommen häufig Dokumentenmanagementsysteme (DMS), also Softwarelösungen zur effizienten digitalen Verwaltung von Dokumenten, zum Einsatz, um Prozesse effizienter und papierloser zu gestalten.
Seit dem Aufkommen von Künstlicher Intelligenz wird diese im Rahmen des Dokumentenmanagements zusammen mit DMS zunehmend als Effizienzbooster eingesetzt, etwa um Dokumente schnell und präzise zu erkennen, aufzutrennen, zu klassifizieren oder um Daten aus ihnen zu extrahieren.
Digitale Transformation
Die digitale Transformation beschreibt den Prozess, in dem Unternehmen, Organisationen und Gesellschaften ihre Geschäftsmodelle, Arbeitsprozesse und Kommunikationswege auf digitale Technologien und Plattformen ausrichten. Die Transformation bietet Wettbewerbsvorteile, Prozessoptimierungen und das Erschließen neuer Geschäftsfelder. Unternehmen, die nicht auf den Zug der Transformation aufspringen, riskieren, langfristig den Anschluss an den Markt zu verlieren. Das gilt auch für den Banking-Bereich, in dem durch den Einsatz von digitaler Technologie wichtige Effizienz-Potenziale gehoben werden können.
F
Firmenkundenvertrieb
Firmenkunden im Rahmen des Firmenkundengeschäfts sind Unternehmen, Gewerbetreibende, Institutionen oder Selbstständige, die Bankdienstleistungen wie Kredite, Zahlungsverkehrslösungen oder Anlageprodukte in Anspruch nehmen.
Der Firmenkundenvertrieb in Banken und Sparkassen ist darauf spezialisiert, diese Kunden bedarfsgerecht zu beraten und ihnen maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Dazu gehören etwa Unternehmenskredite, Liquiditätsmanagement und umfassende Beratung in Finanzfragen.
Im modernen Firmenkundenvertrieb werden Berater oft durch Softwarelösungen unterstützt, die alle vertriebsrelevanten Informationen zentral und übersichtlich zusammentragen und wichtige Impulse setzen, die es ermöglichen, schnell und gezielt auf Kundenbedürfnisse zu reagieren.
K
Kreditvergabe
Die Kreditvergabe umfasst den gesamten Prozess von der Antragstellung über die Festlegung der Kreditbedingungen bis zur Überwachung der Rückzahlung eines Kredits.
Dabei werden üblicherweise folgende Schritte durchlaufen:
Kreditantrag: Der Kunde stellt einen Antrag mit Angaben zu Finanzlage, Sicherheiten und Verwendungszweck.
Bonitätsprüfung: Die Bank oder Sparkasse analysiert die wirtschaftliche Situation des Antragstellers.
Marktfolgeprüfung: Die Marktfolge trifft eine unabhängige Kreditentscheidung.
Vertragsabschluss: Bei positiver Prüfung wird der Kreditvertrag zu zuvor festgelegten Kreditbedingungen unterzeichnet.
Kreditüberwachung: Das Kreditinstitut überwacht fortlaufend die Rückzahlungsfähigkeit des Kreditnehmers.
Bei der Steuerung von Kredit(vergabe)prozessen werden Banken und Sparkassen im modernen Kreditgeschäft von Softwarelösungen unterstützt, die durch automatisierte Workflows und Prozesse helfen, wertvolle Zeit und Ressourcen zu sparen.
Kreditrisikomanagement
Das Kreditrisikomanagement umfasst alle Maßnahmen, die Kreditinstitute ergreifen, um Risiken im Kreditgeschäft zu identifizieren, zu bewerten und zu steuern. Ein effektives Kreditrisikomanagement ist essenziell, um die Stabilität von Banken und Sparkassen zu gewährleisten.
Zentrale Elemente des Kreditrisikomanagements sind:
Bonitätsprüfungen und Risikobewertungen potenzieller Kreditnehmer
Überwachung bestehender Kredite (etwa zur Früherkennung von Zahlungsschwierigkeiten)
Risikostreuung, um Klumpenrisiken zu vermeiden
Einsatz von Sicherheiten zur Reduzierung des Ausfallrisikos
M
Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)
MaRisk sind regulatorische Vorgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die Banken und Sparkassen dazu verpflichten, ein umfassendes, angemessenes und wirksames Risikomanagement zu betreiben. Die MaRisk wurden erstmals 2005 veröffentlicht und ihre Einhaltung wird regelmäßig im Rahmen der Jahresabschlussprüfung geprüft.
Marktfolge
Die Marktfolge ist eine zentrale Abteilung in Banken und Sparkassen, die unabhängig von der Marktseite (z.B. dem Firmenkundenvertrieb) agiert und sich mit der Prüfung, Freigabe und Überwachung von Krediten befasst. Durch die Trennung von Markt und Marktfolge sollen Interessenkonflikte vermieden und eine objektive Kreditentscheidung gewährleistet werden.
Neben der Kreditprüfung übernimmt die Marktfolge Aufgaben wie Bonitätsanalyse, Risikobewertung, Dokumentation, Risikovorsorge, die Bearbeitung von Problemkrediten und die Einhaltung aufsichtsrechtlicher Vorgaben, insbesondere nach den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk).
Innerhalb der Marktfolge wird zwischen der Marktfolge Aktiv und der Marktfolge Passiv unterschieden. Erste bezieht sich auf sämtliche Geschäfte, in denen eine Bank oder Sparkasse als Kreditgeber auftritt und Geld an Kunden verleiht. Zweitere hingegen umfasst alle Transaktionen, die der Refinanzierung der Kreditvergabe dienen, wie die Annahme und Verwaltung von Geldanlagen durch den Zahlungsverkehr oder die Kontoführung.
In der modernen Marktfolge werden häufig digitale Lösungen eingesetzt, um Prozesse und Workflows zu automatisieren und Kreditprozesse optimal zu steuern. Das Aufkommen von Künstlicher Intelligenz bietet hier weitere Chancen, Effizienz hinzuzugewinnen.
N
Nachfolgefinanzierung
Die Nachfolgefinanzierung ist die Bereitstellung von Kapital für Unternehmen, die einen Eigentümerwechsel oder eine Unternehmensnachfolge durchlaufen. Sinn der Nachfolgefinanzierung ist es, den Übergang zu erleichtern und in dieser Phase Kontinuität und Wachstum sicherzustellen.
Welche Art der Nachfolgefinanzierung benötigt wird, hängt spezifisch vom jeweiligen Unternehmen und der Form der Nachfolge ab – daher bieten Banken und Sparkassen eine Reihe maßgeschneiderter Finanzierungslösungen, darunter Kredite und Beteiligungen.
S
Spezialist
Spezialisten sind hochqualifizierte Fachkräfte im Firmenkundenvertrieb von Banken und Sparkassen, die über tiefgehende Fachkenntnisse in spezialisierten Finanzbereichen verfügen und dadurch sowohl Berater als auch Kunden direkt unterstützen.
Dabei arbeiten sie eng – und oft auf Basis einer gemeinsamen Vertriebssoftware, die Kundenübersicht und Datenfluss erleichtert – mit den Stammberatern zusammen, um maßgeschneiderte Lösungen zu erarbeiten, etwa in den Bereichen Unternehmensnachfolge, Baufinanzierung oder Versicherungen.
V
Vertriebssteuerung
Die Vertriebssteuerung umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, die Leistungsfähigkeit und Effizienz des Firmenkundenvertriebs in Banken und Sparkassen zu optimieren.
Zentrale Aufgaben der Vertriebssteuerung sind:
- Definition von Vertriebszielen und Strategieentwicklung
- Überwachung, Steuerung und laufende Erfolgsmessung der Vertriebsaktivitäten über KPIs, Reportings und Cockpits
- Segmentierung von Kunden zur gezielten Ansprache
Eine effektive Vertriebssteuerung stellt sicher, dass Banken und Sparkassen kundenorientiert und ergebnisoptimiert agieren. Sparkassen nutzen oft spezialisierte Softwarelösungen, um ihre Vertriebssteuerung zu optimieren, etwa zur Bereitstellung und Aufbereitung von Daten oder zur Automatisierung von Prozessschritten.
Z
Zinswende
Eine Zinswende bezeichnet eine grundlegende Richtungsänderung der Zinspolitik durch eine Zentralbank – in Europa die Europäische Zentralbank (EZB). Dabei kann eine Zinswende in zwei Richtungen verlaufen:
- Von einer Niedrigzinsphase zu steigenden Zinsen
- Von einer Hochzinsphase zu sinkenden Zinsen
Grund für eine Anhebung ist dabei meist die Bekämpfung von Inflation, während bei einer Senkung oftmals die Wirtschaft angekurbelt und Investitionen erleichtert werden sollen. So werden bei steigenden Zinsen Kredite teurer, während Finanzierungen bei sinkenden Zinsen wieder günstiger werden.
Die jeweiligen Auswirkungen einer Zinswende stellen Banken und Sparkassen oftmals vor Herausforderungen im Produktmanagement und Vertrieb, da sich mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch die Bedürfnisse der Kunden ändern. Daher bedarf es gerade im Firmenkundenvertrieb Flexibilität und Eigenverantwortlichkeit, um auf diesen Wandel reagieren zu können – unterstützt durch digitale Vertriebslösungen, die spontanes Reagieren und Flexibilität durch zentralisierte Daten möglich machen.